Jiu-Jitsu – Ju-Jutsu – Ju-Do: Auf der Suche nach mir selbst

Für viele, die Jiu-Jitsu (in der neuen japanischen Schriftweise «Ju-Jutsu») trainieren, ist das Thema «japanische Wurzeln» quasi eine «Reise zur eigenen Identität». Ob man in Japan aufgewachsen ist oder nicht, die Verbindung zu dem «Land der aufgehenden Sonne» prägt das Selbstverständnis tiefgreifend. Die Suche nach den «eigenen Wurzeln» in Japan kann verschiedene Formen annehmen. Die einen lassen sich von Musashi Miyamoto, dem berühmtesten Schwertkämpfer, inspirieren, andere hingegen suchen nach Mitsuyo Maeda, dem Jiu-Jitsu-Meister, bevor er sich auf den Weg nach Brasilien machte.

Sicherlich gibt es auch einige, die von einer «Mischung aus Traditionen» wie dem Buddhismus und Schintoismus, der Sprache, Ritualen wie der Teezeremonie und vielem anderen fasziniert sind und die ihr Leben und ihre Werte prägen.

Als «Gaijin» (Aussenseiter) sieht man nicht immer alles auf den ersten Blick; vieles, das anfangs ganz klar erscheint, erweist sich als weniger eindeutig, insbesondere, wenn der/die Freund/in (und später sogar Ehefrau bzw. Ehemann) ist. Hierzu könnte ich einige kleine Geschichten erzählen, die meine verschiedenen Reisen in Japan geprägt haben.

Meine «Reise» entstand durch verschiedene «zufällige» oder eben nicht zufällige Ereignisse. Aus «Angst bzw. Respekt», die Menschen, die ich auf meiner Reise getroffen hatte, ungewollt zu schädigen oder das mir gegebene Vertrauen nicht gut genug zu schützen, entschloss ich mich, viele Jahre mit dieser «wohltuenden Last» zu leben und es kaum mit jemand zu teilen. Erst in den letzten zwei, drei Jahren, nachdem die Person, die mich zum ersten Mal nach Japan brachte, mir eindeutig das Erlaubnis gab, darüber offen zu sprechen, begann ich darüber zu erzählen. Anfangs waren es Kurzgeschichten während meines JJ-Unterrichts, später auch auf verschiedenen Reisen und langsam auch in meinem Familienumkreis – wobei ich immer darauf achtete, niemandem wehzutun.

Die mir bekannten und wahren Meister in Japan sprechen niemals von JJ-Künsten, so wie wir es heute in Europa, den USA oder Brasilien tun. Ich bin überzogen, dass sie es niemals, selbst als Meister wie Maeda nach Europa ging, war das JJ niemals das, was wir uns heute vorstellen. Für sie ist das JJ «Nihon» (日本) oder «Nippon» (にっぽん) und deshalb auch als «Tai-Jutsu/Tai-Jitsu» zu verstehen. Beide Begriffe (Nihon und Nippon) bedeuten wörtlich «Ursprung der Sonne». Mit «Tai» bezieht man sich auf die «körperlichen» Kampftechniken bzw. «Fähigkeiten», denn Jiu-Jitsu war immer mit Waffen verbunden, sei es ein Seil, ein Messer, ein Schwert oder ein Stock.

Auf meiner Reise habe ich vermutlich tatsächlich meine «japanischen Wurzeln» (Nikkeijin) gefunden, indem ich oft einfach den Weg mit jemandem geteilt habe, den ich liebte oder gut mochte. Im Berufsleben kam ich unter anderem mit «Kaizen» in Berührung und lernte, in kleinen Schritten zu lernen, zu optimieren und zu wachsen. Dadurch glaube ich auch, eine tiefe Verbindung zur japanischen Ästhetik und Mentalität erlebt zu haben, obwohl ich nur Gast war. Das Konzept des «Ikigai» (der Sinn des Lebens) oder die Wertschätzung von Perfektion und Höflichkeit sind Teil des kulturellen Erbes der Japaner – all das nahm ich in meinem eigenen Rucksack mit nach Hause.

-Franco Vacirca

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